Beyonce-The Beyonce Experience – Live von laut.de

November 25, 2007

Falls noch jemand gesucht haben sollte, hier ist sie, die Schaumgeburt revisited, die Wiederkehr des Göttlichen, der weibliche Messias schlechthin. Flatulenzen? Dieser Lady sicherlich unbekannt. Vielmehr findet – gerade auf vorliegender DVD – eine Offenbarung statt, wie sie die Menschheit seit Mohammeds Himmelfahrt nicht mehr gesehen hat.Denn Beyoncé geht nicht einfach auf die Bühne, Beyoncé erscheint. Beyoncé läuft nicht von links nach rechts, Beyoncé schreitet. Beyoncé singt nicht ins Mikro, Beyoncé hat die Gnade, die Welt an Tönen teilhaben zu lassen, die sie in selbige setzt. Hallelujah!

Von den Wundertaten Frau Knowles‘ kündet das Back-Cover der „The Beyoncé Experience“. Wir sind Zeugen geschichtsträchtiger Fakten-Verkündung: „Fünf Millionen verkaufte Einheiten von „B-Day“ (laut Info-Text ein ‚Meilenstein‘), fünf Millionen verkaufte Klingeltöne und der Zähler läuft …“ Wahnsinn!

Am Ende der Lobhudel-Liste stehen die magischen Worte „Are your ready to be entertained?“ Aber hallo! Das steigert natürlich das Verlangen, Zeuge der Verkündung des Alpha und Omegas zu sein. Zellophanhülle weg und mal einen Blick ins reich bebilderte Booklet riskieren. Ups, aber was ist das denn? Nichts, niente, Fehlanzeige. Kein Booklet. Einsam und verlassen hängt die DVD am Böppel.

Mit einem Seufzer kommt die Disc in den Player. Da lohnt sich dann hoffentlich ein Blick auf die Extras, die – neben der Aufzeichnung des Konzerts in Los Angeles – doch hoffentlich üppig vertreten sein sollten. Aha! Eine ‚Interactive Jukebox‘ blinkt den Betrachter aus dem Menü heraus an. Was soll das denn sein? Noch nie gehört. Aber Beyoncé lässt sich für ihre Fans sicher etwas Feines einfallen.

Aber oh weh! Dahinter verbirgt sich lediglich ein weiterer Rohrkrepierer. Unter diesem Menüpunkt darf sich der Konsument eine Playlist von bis zu 27 Tracks selbst zusammen stellen. Boah ey! Das ist der endgültige R’n’B/Soul-Gottesbeweis. Ein Shuffle für Arme! Da brat mir einer einen Storch. 27 Mal hintereinander „Crazy In Love“? Kann es auf Erden Schöneres geben? Wohl kaum.

Ganz nach dem himmlischen Vorzeichen ist somit auch beim Konzert „history in the making part two“, wie Beyoncés Galan verkündet. In der Tat hat die Welt dergleichen nicht so oft gesehen. Was die Dame hier auf die Bühne zaubert, hat etwas von Revue. Kleckern? Siehe unter Stichwort Flatulenzen. ‚Wenn schon, denn schon‘ scheint das Motto von Frau Knowles zu sein. So gibt sie dem Affen derart Zucker, dass dieser mit einem Schock ins Krankenhaus eingeliefert werden muss.
beyoncedvd.jpg

Sterne: 2 von 5

Sie legt eine Performance aufs Parkett, für die Superlative erst noch erfunden werden müssen. ‚Nebensächlichkeiten‘ wie die ausschließlich mit Frauen besetzte (und hervorragend musizierende) Begleitband verkommen da schnell zu Randnotizen. Im Wust von gefühlten 120 Kostümwechseln, ausufernden Tanz-Choreografien, Pathos, Kitsch und Glitzerglamour bildet die klangliche Untermalung lediglich noch den Rahmen für die Hollywoodisierung der Musik. Wenn der moderne Soul überhaupt noch eine Seele hat, so geht er mit Darbietungen wie dieser hier vollends den Bach runter.

Zum Brüllen ist meine ganz persönliche Lieblingsstelle. Nach haargenau 47 Minuten und 18 Sekunden ist es nämlich so weit: La Knowles gibt einen Tropfen Körpersekret ab – ein Tränlein kullert ihr die Wange hinab. Amis sind ja – was kitschige und pathetische Inszenierungen betreffen – vollkommen schmerzbefreit. Beyoncés schauspielerische Leistung schlägt dem Fass jedoch die Krone ins Gesicht.

Die Songs, die Beyoncé singt, leben – bis auf einige Ausnahmen – einzig und allein von der Frau, die sie interpretiert. Würde eine Dame wie Sharon Jones einen Track wie die Tränengrütze „Flaws And All“ singen, ihre Fans würden ihr das achtkantig um die Ohren hauen. Die Ausnahmen dieser glattpolierten Sülze sind Hämmer der Marke „Freakum Dress“, auch wenn ganz offensichtlich entweder schlecht gemachte Overdubs oder Playback hier das Live-Bild zurecht rücken. Die Frage, was hier im Nachhinein alles klanglich retuschiert wurde, ist unerheblich. Wie oben erwähnt, ist Musik nur das Mittel zum Zweck, die Kunstfigur Beyoncé im angemessenem Rahmen zu präsentieren.

Mit Kunst ist aber nicht etwa Artistisches gemeint, sondern Kunst im Sinne einer artifiziellen Image-Kreation. Wohl auch deshalb beschränken sich die Extras der DVD auf technischen Mumpitz, den keiner braucht. Was kann einem unerreichbar scheinenden Star abträglicher sein, als etwa eine Doku, die Einblicke ins Leben abseits des Rampenlichts gewährt? Genau, deshalb lässt man solchen Schnickschnack lieber gleich weg, sonst merkt der idolisierende Fan vielleicht noch, dass auch eine Beyoncé – wie jeder andere auch – um Flatulenzen nicht herum kommt.
Quelle:laut.de Autor:Alexander Cordas

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: