Beyonce: I Am Sasha Fierce Kritik laut.de

November 14, 2008

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LAUT.STÄRKE

REVIEW VON

Hat man irgendwo auf der Welt eine unerschöpfliche Polycarbonat-Quelle aufgetan? Oder woran liegt es, dass momentan jeder zweite Act eine Standard-Edition und eine Deluxe-Doppel-CD seines Albums veröffentlicht? Jay-Zs Gattin treibt diesen Größenwahn gar noch ein Stück weiter: Nicht nur, dass ihr für ihre 16 „Premiumtracks“ nicht ein einzelner Tonträger reicht, nein. Sie presst auch den Standard-Elfer auf zwei Silberlinge! Woanders geht solches als ambitionierte Doppel-Single durch.

Was soll das? Wenn das ein neues Vertriebsmodell der Musikindustrie sein soll, um der Piraterie vor den Bug zu schießen oder die Verkaufszahlen physischer Tonträger wieder anzukurbeln, dann hätte ich das gerne mal schlüssig erklärt. Käufer der Standard-CD freuen sich sicher außerordentlich, wenn sie nach 25 Minuten zum Player latschen dürfen, um die nächsten 17 Minuten einzulegen. Was war gleich noch mal der Vorteil der Compact Disc im Vergleich zum Vinyl?

Jaja, schon klar, da hat einer den Promo-Wisch wieder nicht gelesen. Wir haben es hier bitteschön mit einem Konzept zu tun! Frau Knowles will nämlich beim dritten Solowerk die zwei Seiten ihrer Persönlichkeit deutlich herausstellen. Und das geht nun mal nur auf zwei voneinander getrennten Rillen. Wenn schon Alter Ego, dann richtig. (Hat man eigentlich irgendwo auf der Welt neuerdings auch eine Alter Ego-Quelle ausgegraben?)

Auf Disk Eins, „I Am…“ betitelt, widmet sich Beyoncé ausschließlich ruhigen und souligen Klängen, die, wie sie wissen lässt, ihrem wahren Naturell entsprechen. Reduzierte Instrumentierung, tröpfelnde Taktung und akustische Gitarren dominieren den ersten Teil. Sogar einen Hauch von Folk meint man in „That’s Why You’re Beautiful“ ausmachen zu können. Die Single „If I Were A Boy“ geht indes Hand in Hand mit „Broken Hearted Girl“ den Gang alles Balladesken. Was die Sängerin in „Disappear“ allerdings an die Beatles erinnert, bleibt mir verschlossen. Vielleicht, dass die auch verschwunden sind.

Die einzige Nummer, die in den ersten 25, respektive 33 Minuten etwas pompöser, weil elektronisch verspoilert daherkommt, ist „Halo“. Auch wenn es einem nicht so offensiv entgegen schwappt, weckt hier nicht nur das funkenspritzende Soundgewand schwere Assoziationen an den Regenschirm des Jahres 2007: „Baby, I Can See Your Halooo, -alooo, -alooo.

Die zweite Persönlichkeit namens „Sasha Fierce“ erscheint dann nach getaner Diskjockey-Arbeit auf Platte Zwei: Hier präsentiert sich Frau Beyon-Z als die Partymaus, die sie ja doch gar nicht ist. Muss sie aber sein, sonst gehen die Fans die Wände hoch, die Erwartungen vor die Hunde und die Verkaufszahlen in den Keller. Frei nach dem diesjährigen Erfolgsmotto „Unsere Synthies sollen sizer werden“ dröhnt, wummert, wabert und surrt es hier auf Timba komm raus. Dabei ist der gar nicht drin.

Die 17 Standardminuten von Disk Zwei pumpen sich nichtsdestotrotz durchwegs okay durch den aktuellen Mainstream-Zeitgeist. Da ist es endlich, das Destiny’s Child, das nix dem Schicksal überlässt und vorerst noch keine Kinder will. Als wären ihre Stimmbänder ihre Pobacken, räkelt sie sich mal lasziv, mal frech wackelnd und dann wieder sexy säuselnd durch eine Wodka-Bull-Bestellung nach der anderen: Die Mädels haben was zu tanzen, die Jungs was zu gucken. Das Ergebnis: Destiny’s Childs. Wäre das also auch geklärt.

Eine Ausnahme, wenngleich eine fragwürdige, gibt es aber doch: „Diva“ klingt, als hätte man Yo! Majesty in ein Umerziehungslager für schwer erziehbare Gören gesteckt und die Barbie-Markenwächter mit der Gehirnwäsche beauftragt. „A diva is a female version of a hustler.“ Genau. Und Beyoncé is a Weichspül-Version of an MC.

Zu Protokoll lässt sich geben: Die 27-Jährige kann ungefragt großartig singen und weiß ihre Stimme überaus attraktiv einzusetzen. Die musikalische Umrahmung der beiden Facetten ihrer Persönlichkeit ist zu hundert Prozent wasserdicht, allerdings an keinem Punkt überraschend, geschweige denn innovativ geraten. Es bleibt ein zwiespältiger Eindruck: Die harte Trennung der beiden Gangarten erscheint als zwanghafter Gimmick, besonders bei der Standard-Ausgabe von „I Am … Sasha Fierce“ – zumal die zusätzlichen Premium-Nummern fast genau das Mittel zwischen Hü und Hott darstellen.

Ergo: Alle 16 Stücke, hübsch durchgemischt, auf eine einzige Veröffentlichung gepackt und ich hätte mir aufgrund des schicken Badeanzug-Bildchens auf der Rückseite vielleicht noch einen Punkt mehr überlegt. Aber so: Beyoncé Knowles liefert zum Dritten soulig-tanzbaren Qualitäts-R’n’Pop ab, der diesmal etwas umständlicher eingetütet wurde. Möger werdens mögen, Kenner kennens schon.

laut.de

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